Blogbeitrag: Wie ich Kurzgeschichten schreibe.
Ich schreibe Kurzgeschichten, weil sie keine Geduld mit Ausflüchten haben. Wer eine Kurzgeschichte schreibt, muss Entscheidungen treffen über den Anfang, über das, was im Text bleibt, und über das, was draußen bleibt. Dieser Beitrag ist kein Leitfaden im klassischen Sinn, sondern eine persönliche Annäherung daran, wie man Kurzgeschichten schreibt und warum die kurze Form ihre eigenen Regeln hat.
Was ich unter einer Kurzgeschichte verstehe
Für mich ist eine Kurzgeschichte kein verkürzter Roman und keine Übung für größere Texte. Eine Kurzgeschichte ist ein eigenständiger Text, der sich auf einen begrenzten Moment konzentriert. Meist geht es nicht um Entwicklung, sondern um Zuspitzung.
Diese Haltung prägt auch den hello human Briefclub. Die Texte bei uns bestehen überwiegend aus Kurzgeschichten, weil sie Raum lassen für eigene Gedanken, für Lücken, für das Ungesagte. Ich mag die Vorstellung, dass diese Geschichten unterwegs gelesen werden, zwischen zwei Tagen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Kurzgeschichten schreiben heißt auswählen
Die wichtigste Arbeit beim Schreiben von Kurzgeschichten passiert oft nicht im Text, sondern davor und danach. Ich frage mich:Was muss wirklich in diese Geschichte hinein und was eben nicht.
Beim Kurzgeschichten schreiben wird schnell sichtbar, wie viel überflüssig ist. Hintergrundgeschichten, psychologische Begründungen oder saubere Übergänge wirken oft wie Ballast. Der Text gewinnt, wenn er sich auf das beschränkt, was für diesen einen Moment notwendig ist.
Der Einstieg: Kein Aufbau, sondern Präsenz
Ich beginne Kurzgeschichten selten am Anfang. Der Text startet mitten in einer Situation. Nicht, um originell zu sein, sondern weil es der Form entspricht. Eine Kurzgeschichte braucht keinen Anlauf.
Beim Schreiben achte ich darauf, dass der erste Absatz nicht erklärt, sondern zeigt, dass der Text bereits unterwegs ist.
Figuren in Kurzgeschichten
Wenn ich Figuren für eine Kurzgeschichte schreibe, versuche ich nicht, sie vollständig zu erfassen. Sie müssen im Text funktionieren, nicht darüber hinaus. Oft reicht eine Handlung, ein Satz oder eine Entscheidung, um eine Figur sichtbar zu machen.
Sprache beim Kurzgeschichten schreiben
Meine Texte werden besser, wenn ich ihnen misstraue. Besonders Sätzen, die zu glatt oder zu erklärend wirken. Kurzgeschichten profitieren von einer präzisen, eher zurückhaltenden Sprache.
Das Ende einer Kurzgeschichte
Ich suche kein starkes Ende, sondern einen sinnvollen Abbruch. Eine Kurzgeschichte endet dort, wo der Text nichts Weiteres mehr behaupten muss.
Kurzgeschichten schreiben lernen
Wer Kurzgeschichten schreiben lernen will, sollte sie ernst nehmen. Nicht als Nebenform, nicht als Übung. Mir hilft es, regelmäßig kurze Texte zu schreiben und ihnen Zeit zu lassen.
Der hello human Briefclub ist für mich eine Möglichkeit, diese Texte zu teilen. Er lebt von Kurzgeschichten, die bewusst klein bleiben. Ich freue mich über jede Person, die sich anmeldet und diese Texte liest still, unterwegs oder genau dann, wenn gerade Platz dafür ist.
Fazit
Kurzgeschichten sind keine Abkürzung. Sie sind eine Entscheidung für Reduktion und Genauigkeit. Wer Kurzgeschichten schreibt, verzichtet auf vieles und gewinnt manchmal genau dadurch etwas, das längere Texte nicht leisten können.